MGM Münzgalerie München
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Steguweit, Wolfgang
Geschichte der Münzstätte
Gotha          20 Euro

Münzgalerie München
Stiglmaierplatz 2
80333 München

Mo. - Fr.   9:00 – 18:00 Uhr
Samstag 9:00 – 13:00 Uhr

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Unbekannte Stücke

Die Münzgalerie München hat in ihren Beständen noch die eine oder andere Medaille liegen, die wir bisher nicht zuordnen und bestimmen konnten. Es ist jedoch unser Bestreben, nur ausreichend beschriebene (und möglichst mit Literaturzitat versehene) Medaillen anzubieten. An dieser Stelle sollen daher einige dieser unbekannten Stücke vorgestellt und abgebildet werden. Vielleicht können Sie uns helfen. Wir sind für jede Information dankbar.

Für weiterführende Hinweise erhalten Sie von uns Gutscheine in Höhe von  10,- bis 30,- Euro.

Unbekannt 25
Einseitige ovale Bronze-Hohlgussmedaille o.J. Vs.: Brustbild eines junges Mannes nach links mit Haarzopf, Zierrand. Der...
GELÖST: JA

Wir erhielten den Hinweis, dass es sich bei der abgebildeten Person um Kaiser Franz II. (reg. 1792-1806/35) handeln könnte. Als Bezugsstück wurde Förschner: Frankfurter Krönungsmedaillen, Nr. 413 genannt. Tatsächlich lässt sich eine Ähnlichkeit zwischen beiden Porträts erkennen. Die Kaiser Joseph II. und Leopold II. haben ein anderes (Münz-) Porträt.

Unbekannt 63
Einseitige Bronze-Hohlgussmedaille 1911. Kopf der Elisabeth Schreyögg nach links, Umschrift. 80 mm. Es handelt sich...
GELÖST: JA

Nach einem Hinweis handelt es sich um eine Medaille von Rudolf Mayer (1846-1916). Die Initialen des Medailleurs „RM“ finden sich links neben der Jahreszahl. Bei der abgebildeten Person handelt es sich um Elisabeth von Barton gen. Stedman (1881-1957). Diese war seit 1905 verheiratet mit dem Bildhauer Georg Schreyögg (1870-1914; seit 1909 Professor in Karlsruhe), mit dem sie drei Kinder (Radulf, Gertraud, Jörg) hatte.

In dem Ausstellungskatalog Monika Bachmayer/Peter-Hugo Martin: Rudolf Mayer. Medaillen und Metallarbeiten der Jahrhundertwende. Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe 22.7.-27.11.1977; Karlsruhe 1977 ist das Stück jedoch leider nicht enthalten. Aber Carl Layh hat in der Frankfurter Münzzeitung 17 (1917), S. 286-287, 300-305, 315-320; 18 (1918), S. 327-346, 351-363, 375-381 die ‚Reliefarbeiten von Professor Rudolf Mayer in Karlsruhe’ zusammengestellt. Dort findet sich unser Stück auf S. 379 unter der Nummer 342. Die Beschreibung dort lautet: „Gattin des Bildhauers Prof. Georg Schreyögg in Karlsruhe. Kopf l. Auf der linken Seite von unten nach oben: ELISABET . SCHREYÖGG – auf der rechten Seite von unten nach oben: R . M . MCMXI . Bronze-Guß.“ Den dortigen Angaben nach gibt es auch Stücke mit dem Durchmesser 145 mm.

Unbekannt 64
Tragbare hochovale Messing-Gussmedaille ohne Jahr (von Joseph Michael Neustifter). Vs.: Stehende Heilige von vorn mit...
GELÖST: JA

Gabriele Neustifter schickte uns die Information, dass die Medaille von dem niederbayerischen Bildhauer Joseph Michael Neustifter (geb. 1949) gefertigt wurde und gab als weiterführenden Hinweis die Internet-Adresse www.neustifter.de an. Wir haben diese Angaben mit Informationen aus Wikipedia und aus dem Buch Kunstmedaille in Deutschland Band 23, Seite 244 ergänzt.

1969-1975 absolvierte er ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München bei dem Bildhauer und Architekten Georg Brenninger (1909-1988). 1975 ließ er sich als freischaffender Bildhauer in Eggenfelden nieder. Sein Hauptarbeitsgebiet sind Bronzeplastiken, vor allem in Verbindung mit Architektur (Kunst am Bau), daneben auch die Gestaltung von Kircheninnenräumen. Außerdem entstand eine Vielzahl von Kleinplastiken. Eine besondere Werkgruppe sind seine „plastische Zeichnungen“, d. h. großformatige Gemmenschnitte in Stein, die als dünne Bronzeplatten gegossen werden. 1972 und 1975 wurde er mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet und erhielt 1995 für sein künstlerisches Werk das Bundesverdienstkreuz.

Kleinere medaillenartige und kreuzförmige Objekte gestaltet Neustifter als Anhänger für die Galerie Anderott (www.anderott.de). Diese Objekte arbeitet er im Gemmenschnitt spiegelbildlich aus; sie werden dann im Wachsausschmelzverfahren in Silber oder heller Bronze ausgegossen.

Gabriele Neustifter berichtet, dass die Auftraggeberin für die Medaille eine Dame Elisabeth von … (genannt Eliza) gewesen sei, und die Medaille sei aus Anlass eines Geburtstages und als Geschenk an die Freunde herausgegeben worden. Ein ganz ähnlich gestaltetes Stück mit dem Hl. Georg – allerdings ohne Rückseiteninschrift – ist im erwähnten Band 23 der Kunstmedaille in Deutschland, S. 247 dargestellt.

Unbekannt 65
Bronze-Plakette 1939 (von M. Le Louet). Vs.: Brustbild des französischen Professors im ordengeschmückten Talar nach...
GELÖST: JA

Günter Faßmann (Cottbus) schickte uns drei Links, mit deren Hilfe wir die fehlenden Informationen nachtragen können:

Albert Prosper Jules Astruc

(geb. 29.1.1875 in St. Laurent d’Olt, gest. 22.4.1956 in Montpellier)

Apotheker, Doktor der Pharmazie 1904, Dekan der Fakultät für Pharmazie in Montpellier (Frankreich) 1927, Mitglied der französischen Academie Nationale de Médicine.

Autor des Standardwerks Traité de Pharmacie Galénique 1921 (4. Aufl. 1946 hrsg. von Jean-Dominique Giroux).

Der Künstler der Plakette ist Marcel Le Louet (1906-1989).

Unbekannt 67
Bronze-Medaille o.J. (von I. E. Boehm). Vs.: Kopf des Ludwig Löwe nach links Rs.: Putto mit Leier reitend auf Löwen,...
GELÖST: JA

Ein ungenannt bleiben wollender Sammler aus Österreich sandte uns freundlicherweise den Hinweis, dass es sich bei Ludwig Löwe um einen Schauspieler handelt und gab auch zwei Literaturzitate bei: Slg. Fiorino 2963 (Sally Rosenberg 7.5. u. 15.10.1917) und Slg. Andorfer 2275 (Hess 7.10.1912). Diese wurden auch bei der Versteigerung eines weiteren Exemplares der Medaille in der Auktion Peus 412, 24.4.2014, Nr. 1748 genannt. Beides sind allerdings nicht unbedingt allseits bekannte und zitierte Sammlungen. Mit dem Schauspieler hatten wir aber jetzt den entscheidenden Hinweis. Bei Carsten Svarstadt: Medals of Actors, Singers & Dancers; London 1963 war das Stück unter Nummer 153 verzeichnet. Dort war ebenfalls der Hinweis auf Slg. Andorfer sowie ein Foto der Medaillenvorderseite vorhanden.

Bei Wikipedia, vor allem jedoch im Brockhaus und in Meyers Konversations-Lexikon fanden sich dann die genaueren Lebensdaten und weitere Informationen. Johann Daniel Ludwig Löwe wurde am 29. Januar 1795 in Rinteln geboren und ist am 7. März 1871 in Wien verstorben. Er war der zweite Sohn des Sängers, Schauspielers, Theaterdirektors und Operettenkomponisten Friedrich August Leopold Löwe (1767-1839). Löwe war der Name einer weitverzweigten Schauspielerfamilie, die im 18. und 19. Jahrhundert zunächst in Norddeutschland, später auch bis Prag, Wien und St. Petersburg Erfolge feierte. Wichtige Mitglieder waren Johann Heinrich (1766-1835), Friedrich August Leopold (1767-1839), Ferdinand (1787-1832), Johanna Sophie (1815-1866) und Franz Ludwig Feodor (1816-1890).

Ludwig Löwe war – neben Johanna Sophie, die damals eine der bekanntesten Sängerinnen in Deutschland war – der berühmteste unter den Mitgliedern der Familie. Er trat 1808 in Prag in die „Kinder-Gesellschaft“ des Direktors Ludwig Nuth ein, die teilweise aus Waisenkindern bestand und damals in ganz Deutschland und der Schweiz Gastspiele gab, wirkte 1811-1819 am Theater in Prag, 1821 an der Hofbühne in Kassel, 1826 am Hofburgtheater in Wien, wo er 1838 Regisseur, später Ehrenmitglied wurde. „L. hat er auf fast allen bedeutenden Bühnen gastiert, überall mit gleichem Beifall.“ (Meyers Konversations-Lexikon 6. Aufl., Bd. 12, 1905, S. 747) „In seiner Darstellungsweise hielt er sich in den maßvollen Grenzen einer frühern Schule, in großen Momenten aber, wo seine Genialität durchbrach, entfaltete er Feuer und Kraft. Hamlet, Macbeth und ähnliche Rollen waren Meisterstücke seiner Kunst. Auch im Lustspiel glänzte er durch seinen ungezwungenen Ton.“ (Brockhaus 13. Aufl., Bd. 11, 1885, S. 198).

Seine Tochter Anna (1821-1884) war eine geschätzte Schauspielerin im Fach der jugendlichen Liebhaberinnen und in tragischen Rollen.


Unbekannt 68
Bronze-Medaille 1885 (von W. A. Malinowski). Vs.: Brustbild des Franciszek Henryk Duchinski nach links, Umschrift. Rs.:...
GELÖST: JA

Von Jürgen Wilmes, Köln, erhielten wir die Information, dass es sich bei Franciszek Henryk Duchinski (1816-1893) um einen polnischen Historiker und Ethnographen handelte. Er war der Schöpfer der umstrittenen These von der nicht-slawischen Herkunft der russischen Nation. Aus seiner Sicht waren nur Polen, Weißrussen und Ukrainer echte Slawen. Auf diese These bezieht sich auch die Darstellung des Kartenausschnittes auf der Rückseite der Medaille.

 

Außerdem erhielten wir von einem Sammler aus Österreich eine Auflösung. Der nach Paris emigrierte Pole Franciszek Duchinski veröffentlichte im Jahr 1840 ein geschichtsphilosophisches Werk mit dem Titel „Peuples aryas et touran“, in dem er die Polen (einschließlich der ruthenischen und litauischen Bevölkerung in den ehemaligen östlichen Grenzgebieten) zu den ‚Arier’ (= ‚Iranern’) zählte, während er die ‚Moskoviter’ (Großrussen) den kulturlosen ‚Turanern’ zurechnete. Dies hat er 1864 in dem Werk „Peuples Aryás et Tourans agricultures et nomades. Necessité des réformes dans l’exposition de l’histoire des peuples Aryas-Européens et Tourans, particulièrement des Slaves et des Moscovites“ weiter ausgearbeitet. Zitat auf S. 22: Die Moskoviter sind weder Slaven noch Christen im Sinne [wahrer] Slaven oder anderer indoeuropäischer Christen. Bis zum heutigen Tage sind sie Nomaden, und sie werden ewig Nomaden bleiben.

 

Die Medaille wurde 50 Jahre nach der Kassation des Magdeburger Stadtrechtes durch Zar Nikolaus I. im Jahr 1835 geprägt und zeigt die von Duchinski gedachte Trennlinie zwischen den Hemisphären Europa-Atlantica und Turcano-Moskawie.

 

In Brockhaus’ Conversations-Lexikon (13. Aufl., Bd. 5, 1883, S. 612) waren noch einige weitere Einzelheiten zu erfahren: „Bereiste Europa, insbesondere die Türkei, lebte einige Zeit in Italien, später in Paris (…). D. verbreitete durch seine poln., ital. und franz. Schriften die sonderbare Idee, dass die Großrussen („Moskalen“) ein von den Klein-, Weißrussen und Polen völlig verschiedener, mit den Chinesen und andern Völkern Asiens verwandter Stamm seien, dem er auch alle höhern geistigen Interessen absprach (die turanische Theorie D.s). Vgl. Insbesondere sein Werk: ‘Peuples Aryás et Tourans agricultures et nomades’ (Par. 1864) u. a.“

 

Weitere einschlägige Schriften waren: „Questions d’Orient“ (1853), „Les Moscovites Grand-Russes d’après leurs origines, éléments et tendences“ (1854) und „La Moscovie et la Pologne“ (1855).

Unbekannt 69
Ovale Blei-Gussmedaille 1586. Vs.: Brustbild des Ludwig Rudt, genannt Hess, mit Spitzenkragen von vorn. Rs.: Minerva...
GELÖST: NEIN
Unbekannt 70
Tragbare versilberte Bronze-Medaille 1888 auf das 10jährige Bestehen der ‚Dudelauer Gmoan’. Vs.: Aufgesetztes...
GELÖST: NEIN