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Unbekannt 67

Unbekannt 67

Bronze-Medaille o.J. (von I. E. Boehm). Vs.: Kopf des Ludwig Löwe nach links Rs.: Putto mit Leier reitend auf Löwen, Umschrift. 45 mm.

Bei dem Medailleur wird es sich um Joseph Edgar Böhm (1834-1890), dem Sohn des bekannten Josef Daniel Böhm, handeln. Die Medaille ist bei Forrer, Bd. 1, S. 204-205 nicht erwähnt. Das Stück müsste vor der Übersiedlung des Medailleurs nach England 1862 entstanden sein. Die Umschrift der Rs. „DIE KRAFT VON ANMUTH SCHÖN IN ZAUM GEHALTEN“ wird ein Wortspiel mit dem Nachnamen des Dargestellten sein.

GELÖST: JA

Ein ungenannt bleiben wollender Sammler aus Österreich sandte uns freundlicherweise den Hinweis, dass es sich bei Ludwig Löwe um einen Schauspieler handelt und gab auch zwei Literaturzitate bei: Slg. Fiorino 2963 (Sally Rosenberg 7.5. u. 15.10.1917) und Slg. Andorfer 2275 (Hess 7.10.1912). Diese wurden auch bei der Versteigerung eines weiteren Exemplares der Medaille in der Auktion Peus 412, 24.4.2014, Nr. 1748 genannt. Beides sind allerdings nicht unbedingt allseits bekannte und zitierte Sammlungen. Mit dem Schauspieler hatten wir aber jetzt den entscheidenden Hinweis. Bei Carsten Svarstadt: Medals of Actors, Singers & Dancers; London 1963 war das Stück unter Nummer 153 verzeichnet. Dort war ebenfalls der Hinweis auf Slg. Andorfer sowie ein Foto der Medaillenvorderseite vorhanden.

Bei Wikipedia, vor allem jedoch im Brockhaus und in Meyers Konversations-Lexikon fanden sich dann die genaueren Lebensdaten und weitere Informationen. Johann Daniel Ludwig Löwe wurde am 29. Januar 1795 in Rinteln geboren und ist am 7. März 1871 in Wien verstorben. Er war der zweite Sohn des Sängers, Schauspielers, Theaterdirektors und Operettenkomponisten Friedrich August Leopold Löwe (1767-1839). Löwe war der Name einer weitverzweigten Schauspielerfamilie, die im 18. und 19. Jahrhundert zunächst in Norddeutschland, später auch bis Prag, Wien und St. Petersburg Erfolge feierte. Wichtige Mitglieder waren Johann Heinrich (1766-1835), Friedrich August Leopold (1767-1839), Ferdinand (1787-1832), Johanna Sophie (1815-1866) und Franz Ludwig Feodor (1816-1890).

Ludwig Löwe war – neben Johanna Sophie, die damals eine der bekanntesten Sängerinnen in Deutschland war – der berühmteste unter den Mitgliedern der Familie. Er trat 1808 in Prag in die „Kinder-Gesellschaft“ des Direktors Ludwig Nuth ein, die teilweise aus Waisenkindern bestand und damals in ganz Deutschland und der Schweiz Gastspiele gab, wirkte 1811-1819 am Theater in Prag, 1821 an der Hofbühne in Kassel, 1826 am Hofburgtheater in Wien, wo er 1838 Regisseur, später Ehrenmitglied wurde. „L. hat er auf fast allen bedeutenden Bühnen gastiert, überall mit gleichem Beifall.“ (Meyers Konversations-Lexikon 6. Aufl., Bd. 12, 1905, S. 747) „In seiner Darstellungsweise hielt er sich in den maßvollen Grenzen einer frühern Schule, in großen Momenten aber, wo seine Genialität durchbrach, entfaltete er Feuer und Kraft. Hamlet, Macbeth und ähnliche Rollen waren Meisterstücke seiner Kunst. Auch im Lustspiel glänzte er durch seinen ungezwungenen Ton.“ (Brockhaus 13. Aufl., Bd. 11, 1885, S. 198).

Seine Tochter Anna (1821-1884) war eine geschätzte Schauspielerin im Fach der jugendlichen Liebhaberinnen und in tragischen Rollen.