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Unbekannt 68

Unbekannt 68

Bronze-Medaille 1885 (von W. A. Malinowski). Vs.: Brustbild des Franciszek Henryk Duchinski nach links, Umschrift. Rs.: Kartenausschnitt von Russland zwischen Moskau und Kiew, Umschrift. 61 mm.

Bei der abgebildeten Person scheint es sich um einen polnischen Forscher zu handeln. Näheres war nicht herauszufinden.

GELÖST: JA

Von Jürgen Wilmes, Köln, erhielten wir die Information, dass es sich bei Franciszek Henryk Duchinski (1816-1893) um einen polnischen Historiker und Ethnographen handelte. Er war der Schöpfer der umstrittenen These von der nicht-slawischen Herkunft der russischen Nation. Aus seiner Sicht waren nur Polen, Weißrussen und Ukrainer echte Slawen. Auf diese These bezieht sich auch die Darstellung des Kartenausschnittes auf der Rückseite der Medaille.

 

Außerdem erhielten wir von einem Sammler aus Österreich eine Auflösung. Der nach Paris emigrierte Pole Franciszek Duchinski veröffentlichte im Jahr 1840 ein geschichtsphilosophisches Werk mit dem Titel „Peuples aryas et touran“, in dem er die Polen (einschließlich der ruthenischen und litauischen Bevölkerung in den ehemaligen östlichen Grenzgebieten) zu den ‚Arier’ (= ‚Iranern’) zählte, während er die ‚Moskoviter’ (Großrussen) den kulturlosen ‚Turanern’ zurechnete. Dies hat er 1864 in dem Werk „Peuples Aryás et Tourans agricultures et nomades. Necessité des réformes dans l’exposition de l’histoire des peuples Aryas-Européens et Tourans, particulièrement des Slaves et des Moscovites“ weiter ausgearbeitet. Zitat auf S. 22: Die Moskoviter sind weder Slaven noch Christen im Sinne [wahrer] Slaven oder anderer indoeuropäischer Christen. Bis zum heutigen Tage sind sie Nomaden, und sie werden ewig Nomaden bleiben.

 

Die Medaille wurde 50 Jahre nach der Kassation des Magdeburger Stadtrechtes durch Zar Nikolaus I. im Jahr 1835 geprägt und zeigt die von Duchinski gedachte Trennlinie zwischen den Hemisphären Europa-Atlantica und Turcano-Moskawie.

 

In Brockhaus’ Conversations-Lexikon (13. Aufl., Bd. 5, 1883, S. 612) waren noch einige weitere Einzelheiten zu erfahren: „Bereiste Europa, insbesondere die Türkei, lebte einige Zeit in Italien, später in Paris (…). D. verbreitete durch seine poln., ital. und franz. Schriften die sonderbare Idee, dass die Großrussen („Moskalen“) ein von den Klein-, Weißrussen und Polen völlig verschiedener, mit den Chinesen und andern Völkern Asiens verwandter Stamm seien, dem er auch alle höhern geistigen Interessen absprach (die turanische Theorie D.s). Vgl. Insbesondere sein Werk: ‘Peuples Aryás et Tourans agricultures et nomades’ (Par. 1864) u. a.“

 

Weitere einschlägige Schriften waren: „Questions d’Orient“ (1853), „Les Moscovites Grand-Russes d’après leurs origines, éléments et tendences“ (1854) und „La Moscovie et la Pologne“ (1855).